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Studien

Mehr Protein, mehr Muskeln?Wahrscheinlich nur ein kleines Plus

Wie sicher?wahrscheinlich4 Auswertungen, alle in dieselbe Richtung 
Erklärung: Wie sicher?

So lesen wir die Beleglage

Zeigt, wie gut es belegt ist, nicht wie stark es wirkt.

  • gesichertBehörden oder Fachgesellschaften sind sich einig
  • wahrscheinlichviele Studien zeigen in dieselbe Richtung
  • möglicherweiseerste gute Hinweise, aber wenige oder kleine Studien
  • unklardie Forschung weiß es noch nicht
  • 4 Auswertungen vieler Studien
  • größte: über 5.000 Leute
  • meist rund 3 Monate
  • Für: gesunde Erwachsene
  • Bezahlt: teils Staat, teils Industrie

Was rauskam

In rund 3 Monaten Krafttraining brachte mehr Protein 0,3 kg fettfreie Masse extra; über etwa 1,6 g pro Kilo Körpergewicht am Tag kein messbares Plus.

Was Training bringt, was Protein drauflegt

Balkengrafik: In rund 13 Wochen Krafttraining kamen mit Training allein 1,1 kg fettfreie Masse dazu, mit mehr Protein 0,3 kg obendrauf.

Fettfreie Masse nach rund 13 Wochen Krafttraining, Mittel aus 49 Studien

  • Training
  • mehr Protein obendrauf

Nur Training

+1,1 kg

Training plus mehr Protein

+0,3 kgobendrauf

0,3 kg

mehr fettfreie Masse durch mehr Protein, gut ein Päckchen Butter

Mittel aus 49 Studien, rund 13 Wochen (Morton et al. 2018) · eigene Grafik, Achse ab 0

Fettfreie Masse heißt: Körpergewicht ohne Fett, vor allem Muskeln und Wasser. Das Training selbst brachte mehr als das extra Protein.

Und ohne Krafttraining? Wahrscheinlich nicht stärker

In einer Auswertung von 24 Studien ohne Training wurden Leute mit mehr Protein nicht messbar stärker. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen bis 64 Jahre 0,8 g Protein pro Kilo Körpergewicht am Tag, ab 65 Jahren 1,0 g.

Was heißt das für dich

Für alle, die Kraft trainieren: Die Studien hatten im Schnitt 3 Trainingstage pro Woche. Bei über 5 Stunden Sport pro Woche nennt die DGE je nach Ziel 1,2 bis 2,0 g pro Kilo am Tag.

Was die Forschung nicht zeigt

  • Ob es eine Grenze gibt, geschätzt 1,0 bis 2,2 g pro Kilo.
  • Wie viel von dem Plus Muskeln waren und wie viel Wasser.
  • Was sehr viel Protein über viele Jahre macht.

16 Quellen · Einordnung vom November 2026

Ausführlich

Wie viel ist das in Gramm?

Bei 70 kg sind 1,6 g pro Kilo Körpergewicht am Tag rund 112 g Protein, bei 60 kg rund 96 g, bei 80 kg rund 128 g. Die 1,6 g stammen aus Morton 2018, einer Meta-Analyse, also einer Auswertung, die 49 Studien zusammenrechnet. Dort zählte vor allem die Menge am Tag, kaum wann und woher das Protein kam. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen bis 64 Jahre 0,8 g pro Kilo am Tag. Das sind bei 60 kg 48 g, bei 80 kg 64 g.

Welche Zahl gilt denn jetzt?

Die 0,8 g empfiehlt die DGE Erwachsenen bis 64 Jahre. Über 1,6 g kam in Morton 2018 mit Krafttraining kein messbares Plus mehr dazu. Dieser Punkt ist statistisch nicht gesichert, darum nennen Morton und Kollegen für das Maximum etwa 2,2 g. Die Arbeitsgruppe Sporternährung der DGE (kurz DGE-Sportgruppe) rät bei über 5 Stunden Training pro Woche zu 1,2 bis 2,0 g pro Kilo am Tag. Bei 70 kg sind das 84 bis 140 g. Mehr als 2 g pro Kilo soll man laut DGE-Sportgruppe aber nur eine Zeit lang essen, etwa zu Beginn einer Krafttrainingsphase. Vorher soll man die Nierenfunktion untersuchen lassen.

Gilt das auch für mich?

Mit Krafttraining kann mehr als die 0,8 g der DGE trotzdem ein kleines Plus bringen. Laut DGE-Sportgruppe gelten die 0,8 g bis 5 Stunden Sport pro Woche. Das Plus gab es aber auch bei Leuten, die im Schnitt nur an 3 Tagen pro Woche trainierten. Ab 65 Jahren nennt die DGE 1,0 g pro Kilo am Tag. In der Auswertung Nunes 2022 kam das Plus bei Älteren schon bei 1,2 bis knapp 1,6 g pro Kilo. Das ist aber unsicher und hängt an einer einzigen Studie.

Brauch ich High-Protein-Produkte?

Laut DGE sind Menschen in Deutschland ausreichend mit Protein versorgt und brauchen keine High-Protein-Varianten normaler Lebensmittel (Meldung vom 26.10.2026). Auch Protein aus Supplementen braucht es laut DGE-Sportgruppe im Alltag nicht. Ausnahmen nennt sie bei Unverträglichkeiten, beim Kaloriensparen und bei besonders hartem oder neuem Training.

Wer hat das bezahlt?

Alle vier Meta-Analysen haben Verbindungen zur Industrie. In Tagawa 2020 und Tagawa 2022 waren je fünf Autoren bei derselben Firma in Tokio angestellt. Für Nunes 2022 zahlte eine Arbeitsgruppe mit Industriemitgliedern, und drei der Autorinnen und Autoren sind bei Firmen angestellt. Der Leiter von Morton 2018 bekam Geld und Honorare vom US-Milchverband. Die DGE-Sportgruppe nennt für sich keine Interessenkonflikte und übernimmt Mortons Ergebnis von 0,3 kg mehr fettfreier Masse.

Ganz genau

Die Studien

Die Studien
StudieWer, wie langeErgebnisBezahlt von (laut Studie)
Morton 2018, Br J Sports Med (Meta-Analyse, 49 RCTs)1.863 gesunde Erwachsene, Krafttraining 6 bis 52 Wochen, im Schnitt 13, im Schnitt 3 Tage pro WocheTraining allein: +1,1 kg fettfreie Masse; mehr Protein legte 0,30 kg drauf, bei der Maximalkraft 2,49 kg (Training allein: +27 kg). Über 1,62 g je kg und Tag kein weiterer Zuwachs; Spanne 1,03 bis 2,20, der Knick ist statistisch nicht gesichert (p = 0,079, 42 Gruppen, 723 Leute)Bezahlt von (laut Studie): kein Geldgeber genannt, Dank an kanadische Forschungsförderung (CIHR, NSERC); Studienleiter mit Geldern und Honoraren des US National Dairy Council; ein Mitautor im Beirat von Dymatize Nutrition (Korrektur 2020)
Nunes 2022, J Cachexia Sarcopenia Muscle (Meta-Analyse, 74 RCTs, Protokoll registriert)2.665 gesunde, nicht übergewichtige Erwachsene in der Auswertung Magermasse; Kraftanalysen im Schnitt 12 WochenMit Krafttraining etwa 0,5 bis 0,7 kg mehr Magermasse (moderate Gewissheit); bei Jüngeren ab 1,6 g je kg (moderat), bei Älteren bei 1,2 bis 1,59 g je kg (niedrig, hängt an einer Studie). Ohne Training nur 6 Studien, kein gesicherter Effekt (niedrig)Bezahlt von (laut Studie): ILSI Europe, eine Arbeitsgruppe mit Industriemitgliedern; drei Autorinnen und Autoren bei Abbott Nutrition, IFF und Givaudan angestellt
Tagawa 2020, Nutr Rev (Meta-Analyse, 105 Studien)5.402 Teilnehmende, mit und ohne Training, Suche bis Mai 2019Mehr Protein, mehr Magermasse: mit Training +0,48 kg, ohne Training +0,53 kg. Der Zuwachs flachte über 1,3 g je kg abBezahlt von (laut Studie): keine externen Mittel; fünf Autoren bei Meiji Co. (Tokio) angestellt
Tagawa 2022, Sports Med Open (Meta-Analyse, 82 Studien)3.940 Teilnehmende, 59 Studien mit, 24 ohne TrainingKraft stieg mit mehr Protein nur mit Training (+2,01 %), ohne Training nicht (+0,13 %, nicht gesichert). Plus bis etwa 1,5 g je kg, darüber nichts. Gewissheit hoch mit, moderat ohne TrainingBezahlt von (laut Studie): Japan Agency for Medical Research and Development; fünf Autoren bei Meiji Co. angestellt
Trommelen 2023, Cell Rep Med (RCT, doppelblind)36 junge Männer, eine Krafteinheit, danach 0, 25 oder 100 g Milchprotein, 12 Stunden gemessenMit 100 g lag der Muskelaufbau im Labor in Stunde 0 bis 4 rund 20 % höher als mit 25 g, in Stunde 4 bis 12 rund 40 %. Eine Obergrenze je Mahlzeit fand die Studie nichtBezahlt von (laut Studie): kein Geldgeber genannt; ein Autor bei FrieslandCampina angestellt, die Firma hatte laut Studie keine Rolle

Die vier Meta-Analysen überschneiden sich in ihren Studien; der Chip „über 5.000“ nennt deshalb die größte (Tagawa 2020), keine Summe. Morton misst fettfreie Masse, Nunes und Tagawa Magermasse (beides per DXA oder ähnlich; Wasser und Organe zählen mit).

Empfehlungen

  • DGE, Referenzwerte (Ableitung 2017): 0,8 g je kg und Tag für 19 bis unter 65 Jahre, ab 65 Schätzwert 1,0 g. Breitensportler (4–5 Mal pro Woche 30 Minuten mittlere Intensität) brauchen keine erhöhte Zufuhr.
  • DGE-Arbeitsgruppe Sporternährung (König et al. 2020, Peer Review): Bis 5 Stunden Sport pro Woche gilt für 19 bis unter 65 Jahre 0,8 g je kg. Über 5 Stunden 1,2 bis 2,0 g je kg, je nach Trainingszustand und Ziel. Für Muskelaufbau reicht mehr Protein allein nicht, das Training muss sich ändern. Supplemente braucht es im Alltag aus physiologischer Sicht nicht, außer in Sonderfällen (Unverträglichkeit, Kaloriensparen, besonders hartes oder neues Training). Sie zitiert Morton 2018 mit 0,3 kg. Interessenkonflikte laut PDF keine; Geldgeber nicht genannt.
  • DGE, Meldung „Protein in aller Munde“ (26.10.2026): Menschen in Deutschland sind ausreichend versorgt und brauchen keine High-Protein-Varianten herkömmlicher Lebensmittel.
  • DGE-Leitlinie Protein (Umbrella Reviews, Gesamtempfehlung steht aus): Bei bedarfsgerechter Energiezufuhr beeinflusst die Proteinmenge Körpergewicht, Fettmasse und Taillenumfang wahrscheinlich nicht. Einen Teil zur Muskelgesundheit gibt es auf der Seite noch nicht (gelesen 03.11.).
  • ISSN Position Stand (Jäger et al. 2017, CC BY): 1,4 bis 2,0 g je kg reichen den meisten Trainierenden; in Diätphasen 2,3 bis 3,1 g je kg für Krafttrainierte. Kein Geldgeber; viele Autoren mit Industriebindungen, zwei bei BioTRUST Nutrition angestellt.
  • US-Ernährungsrichtlinien 2025–2030 (Januar 2026): Zielwert 1,2 bis 1,6 g je kg und Tag für alle, angepasst an den Kalorienbedarf.

Warum das Training mehr zählt

In Morton 2018 brachte das Training allein 1,1 kg fettfreie Masse und 27 kg Maximalkraft, mehr Protein legte 0,3 kg und 2,49 kg drauf. Zeitpunkt, Portion nach dem Training und Proteinquelle spielten dort kaum eine Rolle; es zählte die Menge am Tag. Auch die DGE-Sportgruppe schreibt, dass mehr Protein allein für Muskelaufbau nicht reicht; das Training muss sich mit ändern.

Was dagegen spricht

  • Zu viel versprochen? Ein Kommentar von 2025 meint, Nunes 2022 habe den Effekt überschätzt (Rechenweg, mehrfach gezählte Studiengruppen, mehr Kalorien in einigen Proteingruppen). Die Autoren rechneten nach: Ohne die vier strittigen Studien bleibt der Effekt, etwas kleiner (SMD 0,15 statt 0,19; ab 1,6 g je kg 0,23 statt 0,30).
  • Zu wenig? Weil die Grenze unsicher ist, raten Morton und Kollegen allen, die das Maximum wollen, zu etwa 2,2 g je kg.
  • Zum zweiten Urteil: Die USA setzen seit 2026 für alle 1,2 bis 1,6 g je kg an. Tagawa 2020 sah auch ohne Training 0,53 kg mehr Magermasse; stärker wurden die Leute ohne Training nicht (Tagawa 2022).
  • Die DGE sieht erst ab über 5 Stunden Training pro Woche einen höheren Bedarf. Die Studien in Morton 2018 trainierten im Schnitt 3 Tage pro Woche und sahen trotzdem ein kleines Plus. Bedarf und kleines Plus schließen sich nicht aus.

Mehr ist nicht für alle besser

Die DGE-Sportgruppe rät, über 2 g je kg nur zeitweise zu essen, etwa zu Beginn einer Krafttrainingsphase oder beim geplanten Abnehmen, und vorher die Nierenfunktion untersuchen zu lassen. Zu den Nieren schreibt die DGE-Leitlinie Protein, dass sich Langzeitfolgen über Jahrzehnte derzeit nicht beurteilen lassen. Die Karte „Protein und Nieren“ geht dem nach.

Hinweis zu den Grammzahlen

Etiketten, Verzehrserhebungen und Empfehlungen rechnen laut Max Rubner-Institut fast alle Stickstoff mal 6,25 in Protein um. Neue Faktoren liegen bei 5,0 bis 5,9; je nach Lebensmittelgruppe ergibt das etwa 5 bis 20 % weniger Protein (MRI, 16.09.2026; Pferdmenges et al. 2026). Was das für die Empfehlungen heißt, untersucht das MRI noch.

Concurrent use of resistance training is essential for protein supplementation to improve muscle strength.

Tagawa et al. 2022 · CC BY 4.0

Quellen

Übersichten und Meta-Analysen

  1. Morton RW et al., Br J Sports Med 2018;52:376–384; Korrektur Br J Sports Med 2020;54:e7, doi 10.1136/bjsports-2017-097608corr1 · doi.org/10.1136/bjsports-2017-097608 · CC BY-NC 4.0 · Volltext
  2. Nunes EA et al., J Cachexia Sarcopenia Muscle 2022;13:795–810 · doi.org/10.1002/jcsm.12922 · CC BY-NC-ND 4.0 · Volltext
  3. Inca-Barriga O et al., Kommentar, J Cachexia Sarcopenia Muscle 2025;16:e70036 · doi.org/10.1002/jcsm.70036 · CC BY 4.0 · Volltext
  4. Nunes EA et al., Antwort, J Cachexia Sarcopenia Muscle 2025;16:e70108 · doi.org/10.1002/jcsm.70108 · CC BY 4.0 · Volltext
  5. Tagawa R et al., Nutr Rev 2020 (online 04.11.2020) · doi.org/10.1093/nutrit/nuaa104 · CC BY-NC-ND · Volltext
  6. Tagawa R et al., Sports Med Open 2022;8:110 · doi.org/10.1186/s40798-022-00508-w · CC BY 4.0 · Volltext
  7. Jäger R et al., J Int Soc Sports Nutr 2017;14:20 · doi.org/10.1186/s12970-017-0177-8 · CC BY 4.0 · Volltext

Studien

  1. Trommelen J et al., Cell Rep Med 2023;4:101324 · doi.org/10.1016/j.xcrm.2023.101324 · CC BY 4.0 · Volltext
  2. Pferdmenges LE et al., Food Chem 2026;528:151057 · doi.org/10.1016/j.foodchem.2026.151057 · CC BY · Abstract

Fachgesellschaften

  1. König D et al. (DGE-Arbeitsgruppe Sporternährung), Ernährungs Umschau 2020;67(7):132–139 (DOI: englische Fassung); Pressemeldung https://www.dge.de/presse/meldungen/2020/positionspapier-zur-proteinzufuhr-im-sport/ · doi.org/10.4455/eu.2020.039 · Verlag · Volltext
  2. DGE, Referenzwerte Protein · www.dge.de · Webseite der DGE · Volltext
  3. DGE, „Protein in aller Munde“, 26.10.2026 · www.dge.de · Webseite der DGE · Volltext
  4. DGE, Leitlinie Protein · www.dge.de · Webseite der DGE · Volltext

Behörden

  1. U.S. HHS und USDA, Dietary Guidelines for Americans 2025–2030 · cdn.realfood.gov · US-Regierung · Volltext
  2. Max Rubner-Institut, „Proteingehalt in Lebensmitteln“, 16.09.2026 · www.mri.bund.de · Webseite des MRI · Volltext
  3. EFSA NDA Panel, Scientific Opinion on Dietary Reference Values for protein, EFSA J 2012;10(2):2557 · doi.org/10.2903/j.efsa.2012.2557 · CC BY-ND · Abstract

Versionen: 03.11.2026: erste Fassung

Diese Zusammenfassung ist keine Ernährungs- oder Gesundheitsberatung.

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